Der große Dutch Oven Guide Teil 1 – Kochen mit dem Gusseisentopf

Bild-1-Headerbild-fur-GuideGjmmRwz6DZL8L

Der Dutch Oven gehört zu meinen liebsten Koch-Tools. Ich mag das langsame Schmoren, das sich gern mal über ein paar Stunden hinziehen kann, das gemütliche Zusammensitzen währenddessen und das besondere Feeling, das einfach immer aufkommt, sobald man den gusseisernen Kumpel rausholt. Es hat einfach etwas Ursprüngliches und Abenteuerliches. Man ist nicht an die Küche gebunden, sondern kann kochen wo, wie und wann man will – egal, ob beim Camping oder nach Feierabend im heimischen Garten. Genau darum geht’s beim Kochen mit dem Gusstopf. Wer’s schnell mag, ist mit einem Schnellkochtopf wohl besser bedient.

Im ersten Teil meines großen Dutch Oven Guides erfährst du Schritt für Schritt alles Wissenswerte über den Gusstopf:

  • Was ist das Besondere an einem Dutch Oven und welche Vorteile bietet er?
  • Was solltest du beim Kauf beachten?
  • Welche Tipps und Tricks gibt es?
  • Wie wählst du die richtige Größe?
  • Welches Zubehör brauchst du?
  • Woher kommt der Dutch Oven überhaupt?

 

Also dann: Lasset das Dopfen beginnen!

 

Was ist eigentlich ein Dutch Oven?

Als mein Vater vor einigen Jahren mit einem ultra-schweren, schwarzen Topf um die Ecke kam und sagte: „Grillen fällt heut aus, wir schmeißen den Dutch Oven an!“, dachte ich erst an einen neuen, schnell wieder verfliegenden Outdoor-Trend. Weit gefehlt! Seitdem ich mit Schichtfleisch, geschmorten Ribs und Co. gelockt wurde, hat sich der Dopf – vor allem im Herbst und Winter – zu meinem ständigen Koch-Begleiter entwickelt.

Aber was genau ist denn jetzt eigentlich ein Dutch Oven und was unterscheidet ihn von herkömmlichen Pötten?

Der Dutch Oven – oder auch liebevoll „Dopf“, Camp Oven, Potje oder Black Pot genannt – ist im Grunde genommen ein dickwandiger und massiver Topf aus Gusseisen. Viele Modelle sind mit Füßen am Topfboden versehen, damit man ihn direkt über die glühenden Briketts oder Glut stellen kann. Da der Dutch Oven aber von vielen Outdoor-Fans auch im Grill oder Backofen genutzt wird, empfehle ich, einen Dopf ohne Füße zu kaufen, damit er auch bequem auf Flächen wie Herd, Grill- oder Backofenrost Platz findet.

Der Gusstopf ist außerdem mit einem Deckel ausgestattet, dessen hohe Ränder dafür sorgen, dass Briketts sicher darauf platziert werden können, ohne dass beim Öffnen des Deckels etwas davon ins zubereitete Essen fallen kann. Außerdem lässt der passgenaue und dicht schließende Deckel den Dampf im Inneren des Topfes nicht entweichen und erzeugt so eine Umluft-Hitze, die die Speisen gleichmäßig gart.

Ein weiterer Clou, den die meisten Dopf-Deckel haben, sind die Füße auf der Oberseite. Durch sie lässt sich der Deckel praktischerweise zu einer Pfanne umfunktionieren: einfach umdrehen, Hitze drunter und losbrutzeln. Der Henkel aus Metall macht’s sogar möglich, dass du den Topf an einem Dreibeingestell über ein offenes Feuer hängen kannst.

Das kann dein Dutch Oven – Die Vorteile des Outdoor-Allrounders

Es gibt ein paar wirklich gute Gründe, sich einen Dutch Oven anzuschaffen. Diese Art des Kochens wird schließlich nicht umsonst schon seit hunderten von Jahren zelebriert.

  • Er gehört auf Grund seiner Vielseitigkeit in jeden gut ausgestatteten Haushalt. Egal ob deftiges Chili, butterweiche Spareribs oder süßer Apple Crumble – der gusseisernen Topf ist ein Alleskönner.
  • Frittieren, Backen, Rösten, Köcheln, Anbraten: Wenn du ihn zum Camping mitschleppst, ist es quasi so, als wenn du deine komplette Küche dabei hast.
  • Im Gasgrill oder Backofen, mit Briketts, Holzkohle oder überm offenen Feuer: Für echte Outdoor-Fans ist die Anschaffung ein absolutes Muss.
  • Das dickwandige Gusseisen speichert die Hitze ultra-lange und gleichmäßig. Das sorgt beispielsweise dafür, dass Öl beim Frittieren eine konstante Temperatur hält. So wird die Panierung schön knusprig und das Panierte gleichmäßig gar.
  • Durch die gut verteilte Hitze wird Fleisch beim Anbraten regelmäßig braun und erhält klasse Röstaromen. Die Speisen werden außerdem schonend gegart, bleiben saftig und der Geschmack geht nicht verloren.

943322_Burnhard_Dutch-Oven-Little-John_09slnyCfGlYmDL2

Checkliste: Worauf muss ich beim Kauf eines Dutch Ovens unbedingt achten?

Das Angebot an Dutch Oven und Gussgeschirr ist riesig. Da verliert man schon mal den Durchblick. Beim Kauf deines neuen gusseisernen Kumpels solltest du unbedingt ein paar Dinge beherzigen, damit du lange Spaß mit ihm hast und während deiner Dopf-Action nichts daneben geht. Damit der Kauf leichter fällt und du einen hochwertigen Topf bekommst, habe ich dir die wichtigsten Kriterien zusammengefasst.

  • Die Wände des Gusstopfes sollten überall gleich dick sein, damit die Hitze gleichmäßig verteilt wird. Stellen, die auffallend dicker sind als andere, erzeugen Cool- oder Hotspots, die das gleichmäßige Erhitzen und Abkühlen verhindern.
  • Achte darauf, dass der Topf nicht zu leicht ist, sondern aus massivem, feinporigen Gusseisen gefertigt wurde. Die feinen Poren verhindern, dass Feuchtigkeit in den Topf gelangt und dieser rostet. Außerdem sinkt die Wahrscheinlich, dass der Topf reißt, da durch die Feinporigkeit weniger Luft im Gusseisen eingeschlossen wird.
  • Der Deckel sollte weitestgehend (ein minimaler Spielraum ist normal) passgenau sein und dicht schließen, damit während des Kochens kein Dampf austreten kann.
  • Der Deckel sollte außerdem einen hohen Rand haben, damit Kohle und Briketts sicher darauf platziert werden können und nicht herunterfallen, wenn du den Deckel vom Topf abnehmen willst.
  • Da Gusstöpfe sehr schwer werden können, sollte der Henkel des Topfs stabil und gerade sein, damit dein kochend heißes Chili con Carne nicht auf deinen Füßen landet.
  • Egal ob im Gasgrill, im Backofen, über offenem Feuer oder auf Briketts: dein Dopf sollte einen stabilen Stand haben und nicht wackeln.
  • Ein Ausguss am Topf ist praktisch, wenn du Suppen, Eintöpfe oder Braten im Dutch Oven machst und die Sauce abgießen willst.
  • Ein Deckelheber und ein Henkel sollten ebenfalls dabei sein, damit du deinen Topf sicher transportieren und den Deckel problemlos abnehmen kannst.

 

Tipps und Tricks für deinen Dutch Oven

  • Stelle den Dutch Oven nach Möglichkeit nicht auf den kalten Boden (vor allem nicht im Winter), sonst verliert er an Temperatur.
  • Fülle niemals kaltes Wasser in einen noch heißen Topf! Durch das schnelle Abkühlen könnte das Gusseisen springen.
  • Bereite lieber keine stark säurehaltigen Gerichte, z.B. mit viel Zitronensaft oder Essig, in deinem Dopf zu. Die Säure könnte der Patina schaden.
  • Lasse einen leeren Topf nie auf einer Hitzequelle stehen. Das Gusseisen könnte sich dadurch verformen oder sogar brechen.
  • Du kannst den Deckel des Dutch Ovens auch als Pfanne benutzen, indem du ihn einfach umdrehst und über die direkte Hitze auf deinen Gasgrill stellst bzw. Briketts drunter legst.

 943322_Burnhard_Dutch-Oven-Little-John_069FOYJ0XHP2tZH

Welche Dutch Oven Größe ist die richtige für mich?

Dutch Oven gibt es in zig verschiedenen Größen, Formen und Ausführungen. Dabei ist die passende Größe von zwei Dingen abhängig.

1. Wieviele Personen möchtest du bekochen?

2. Was möchtest du zubereiten?

Die Durchmesser der verschiedenen Dutch Oven sind oft in Zoll angegeben. Dabei entspricht 1 Zoll 2,54 Zentimetern. Andere Modelle werden wiederum in der amerikanischen Größeneinheit QT (Quarte) angegeben. 1 Quarte entspricht dabei 0,946 Liter.

  • Die kleinste Topfgröße eignet sich mit etwa 2 Litern Fassungsvermögen gut für Saucen und Beilagen oder wenn du mal nur für dich oder eine zusätzliche Person kochst.
  • Falls du einen kleinen Kreis von etwa 3-5 Personen kulinarisch beglücken willst, eignet sich ein 4-Liter-Topf schon besser.
  • Der 6-Liter-Topf ist die beliebteste Größe für Dopf-Einsteiger. Nicht zu klein und nicht zu groß – perfekt für einen gemütlichen Grillabend mit 4-8 Freunden.
  • Wenn’s etwas voller bei dir zu Hause wird, legst du einfach nochmal ein paar Liter drauf und schaffst dir einen 8 oder 12-Liter-Topf an. Darin kannst du auch ohne Probleme ganzes Geflügel oder Braten zubereiten. Mit einem 8-Liter-Topf bekommst du locker 8-14 Personen satt, mit einem 12-Liter-Topf sogar 14 -20.
  • Wenn du die Vollausstattung brauchst, bist du mit einem Dutch-Oven-Set am besten bedient. Darin sind meist mehrere Töpfe, Pfannen, Saucieren und sogar Wendeplatten enthalten.

Als Faustformel kannst du dir merken: 1 Liter Topfinhalt pro Person.

8″: 2 Liter -> 2-3 Personen

10″: 4 Liter -> 3-5 Personen

12″: 6 Liter -> 5-7 Personen

14″: 8 Liter -> 7-9 Personen

16″: 12 Liter -> 12-18 Personen

 

Das richtige Dutch Oven Zubehör

Es gibt für deinen Dutch Oven einiges an essentiellem Equipment, auf das du nicht verzichten solltest und das dein Outdoor-Cooking erst zu einer runden Sache macht. Hier findest du einen Überblick über das wichtigste Zubehör.

Deckelheber

Da der Deckel eines Gusstopfs in der Regel sehr schwer und sehr heiß ist, ist ein Deckelheberunverzichtbar. Der keilt sich in den Henkel des Deckels und hält ihn dank des Hebelmechanismus in waagerechter Position, damit die Briketts dort bleiben, wo sie hingehören und deine Finger keine Brandblasen kriegen. Bei unserem Dutch Oven John ist schon einer dabei.

 Dutch-Oven-Guide_-85423-3

Zange zum Kohleauflegen

Damit du die Briketts auf deinem Dopf präzise platzieren kannst, ohne dir die Finger zu verbrennen, brauchst du eine feuerfeste Zange. Das funktioniert mit einer normalen Grillzange genauso gut wie mit einer speziellen Kohlezange. Wichtig ist, dass die Zange einen festen Griff hat.

 

Bild-3-Briketts-aud-Oven-verteilendJAh6dhoYh3jQ

Grillhandschuhe

Ein Dutch Oven kann, wie schon erwähnt, sehr sehr heiß werden. Deswegen solltest du dir sicherheitshalber immer Grillhandschuhe anziehen, wenn du mit deinem Dopf herumhantierst. Handschuhe aus feuerfester Wolle, Kevlar oder Leder bieten einen optimalen Hitzeschutz und lassen deinen Händen ihre Beweglichkeit.

DO-Zubehor-Grillhandschuhe

Anzündkamin

Um deine Briketts schnell, gleichmäßig und sicher zum Glühen zu bringen, benötigst du einen Anzündkamin. Diesen stellst du einfach auf einen feuerfesten Untergrund, gibst die gewünschte Anzahl Briketts in den Kamin, zündest Anzündwürfel darunter an und wartest 15-20 Minuten, bis alle Briketts gleichmäßig durchgeglüht sind.

Bild-2-Anzundkaminj5mRAbjMdERBs

Holzkochlöffel

Ein schöner Holzkochlöffel macht bei deinen Dopf-Experimenten richtig was her. Für alle authentischen Outdoor-Köche (und die, die so wirken wollen) ist er obligatorisch. Nebenbei behandelt er deinen Dutch Oven auch noch mit dem nötigen Respekt. Robustes Holz schädigt nicht deine mühsam aufgebrachte Patina und übersteht problemlos die ein oder andere Dopf-Party.

Dutch-Oven-Guide_16HzUjdIbvxNCVK

Woher kommt der schwarze Pott überhaupt?

Mit Gusseisen wird schon seit Jahrhunderten gekocht. Das robuste Material eignet sich eben perfekt für die Herstellung von Pfannen, Töpfen oder Brätern, weil es extrem hitzebeständig ist und die Wärme gleichmäßig an die Speisen weitergibt. Damals wurde das Gussgeschirr überm offenen Feuer, später mit Kohle- oder Holzöfen zum Braten, Backen, Köcheln und Schmoren eingesetzt. Heute befeuern wir unseren Dutch Oven lieber mit Briketts, in unserem Grill oder im Backofen. Doch woher genau stammt der Dutch Oven? Irgendjemand muss doch die geniale Idee zu diesem Zauber-Topf gehabt haben?

Dazu gibt es verschiedene Theorien und Vermutungen. Folgende Story klingt für mich dabei am plausibelsten:

Die Niederländer starteten im 17. Jahrhundert damit, ihre Kochbehälter aus Messing zu gießen. Während des Prozesses benutzten sie Sand, um die Formen zu machen und produzierten mit dieser Methode hochwertige Töpfe mit einer gleichmäßigen Oberfläche, während die Engländer hauptsächlich Lehm und Ton für die Produktion nutzten. 1704 reiste der Engländer Abraham Darby nach Holland, um dieses niederländische Gießverfahren zu untersuchen. Als er nach England zurückkehrte, versuchte er ein ähnliches Produkt zu entwerfen und entwickelte den Gussprozess weiter, indem er das ergiebigere und weitaus günstigere Material Eisen verwendete. Wahrscheinlich patentierte Darby 1707 das Verfahren und nannte die Töpfe als Hommage an die Methode der Holländer „Dutch Oven“. Von da an begann er, Gusstöpfe in die neuen Kolonien und die restliche Welt zu verschiffen. Andere Quellen vermuten, dass niederländische Händler oder Verkäufer Gusseisentöpfe auf der Straße verkauften und der Name „Dutch Oven“ davon abgeleitet wurde.

Schließlich brachten die Amerikaner die englischen Töpfe in ihre neuen Kolonien und entwickelten sie während der Kolonialzeit weiter. Der Patriot Paul Revere wurde dafür bekannt, dass er dem Gusstopf drei Beine und dem Deckel eine Erhöhung hinzufügte. Vor allem Kolonisten und Siedler nutzten das Kochgeschirr wegen seiner Vielseitig- und Langlebigkeit.

 

Na, neugierig geworden? Dann gib dir die Fortsetzung!  In "Der große Dutch Oven Guide Teil 2 – Kochen mit dem Gusseisentopf" geht's jetzt richtig zur Sache! Du erfährst, wie du deinen Dopf einbrennst, reinigst, lagerst und mit Briketts, Gasgrill oder Backofen befeuerst.